STIFTUNG
zur Wahrung der Walser Kultur an der Bernhardinerstrasse

Präambel:
Das traditionelle Walsertum im Rheinwald blieb weitgehend bis nach dem zweiten Weltkrieg in seinen Grundzügen unverändert. Bereits in den ersten zwei Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhundert ereigneten sich zwei Ereignisse, die eine kleinere Evolution im Alltag der hiesigen Walser nach sich zog, nämlich die Trinkwasserversorgung mit den häuslichen Anschlüsse und das kleine Wasserkraftwerk, dass Energie in bescheidenem Masse lieferte. Die markante änderung im Leben der Rheinwalder fand aber erst in den 1960er Jahre statt. Durch den Bau der elektrischen Talleitung stand endlich genügend elektrische Energie zur Verfügung, sodass das Moderne Einzug in den Haushaltungen fand (Elektroherde, Boiler, Waschmaschinen etc.) und in den Stallungen (Gebläse, Belüftungen, Melkmaschinen etc.) Der Bau der Nationalstrasse und des San Bernardinotunnel, förderte die Mechanisierung in seiner ganzen Vielfalt ins Tal, was die alte traditionelle Arbeitsweise der Bauern in der Landwirtschaft grundlegend änderte (Autos, Mähmotoren, Ladewagen, etc.). Diese Entwicklung änderte vieles im Alltag, sowohl im Haushalt als auch in der Arbeit der einheimischen Bevölkerung. Die Folge war, dass mit der Zeit bestimmte traditionelle Tätigkeiten nicht mehr durchgeführt

wurden, von der Buuchi über das Heuziehen in den Bergen bis zum Ausfüttern des Viehs in den Feldställen, um nur einige zu erwähnen. Dazu kam noch, dass viele, früher alltägliche Geräte, Fuhrwerke und Einrichtungsgegenstände keine Verwendung mehr fanden und ausrangiert wurden. Der alten walserischer Gewohnheit nach, wurden diese nicht mehr verwendeten Gegenstände in Estriche und in Ställe aufgehoben und nicht weggeworfen. Seit dem neuen Millennium scheint sich diese walser Tugend zu verlieren, denn man findet immer mehr solche Gegenstände in den jährlichen Sperrgutentsorgungen. Jeder dieser weggeworfenen Gegenständen bedeutet ein Verlust von der vergangenen Kultur unserer Väter. Eine kulturbewusste Gruppe von Einheimischen beschloss dieser desolaten Situation entgegenzuwirken und suchte nach geeigneten Wegen. Die Gründung eine Stiftung zur Wahrung der Walserkultur an der Bernhardinerstrasse erwies sich als der beste und erfolgversprechende Weg dafür.

Stiftungsgründung:
Am 12.04.2016 wurde die Stiftung zur Wahrung der Walserkultur an der Bernhardinerstrasse im Handelsregister eingetragen und ins Amtsblatt publiziert. Zwei Tage zuvor haben die sechs Stifter das Reglement der Stiftung unterschrieben sowie die folgende Stiftungsurkunde.

Zweck der Stiftung:
Der Zweck der Stiftung ist in der Stiftungsurkunde festgelegt und lautet:                                                                                                                                        

  Die Stiftung bezweckt mobile Gegenstände der Walser Kultur an der Bernhardinerstrasse

  zu sammeln und zu sichern und als Eigentum der Stiftung einzuverleiben. Diese gesicherten   

  Artefakte sollen vorwiegend lokalen Museen als Exponate zu Ausstellungszwecken zur

  Verfügung gestellt werden. Der Zweck der Stiftung ist gemeinnütziger Art.

 

Verschiedene lokale Vereine in unseren Talschaften haben sich zur Aufgabe gemacht die Walser Kultur zu pflegen. Im Rheinwald sind dies vor allem das Heimatmuseum in Splügen, die Kulturvereinigung, die

Trachtengruppe, die Landfrauen, die Jungmannschaft Rheinwald, die Theaterspieler, und dies alles mit der Unterstützung der Walservereinigung Graubünden. Mit Ausnahme des Heimatmuseums kümmern sich die anderen Vereine und Interessensgruppen hauptsächlich um „immaterielle“ Aspekte der Walserkultur wie Geschichte, Brauchtum, Sprache, Literatur, Gesang und Tanz. Die Stiftung Walserkultur versteht sich als Ergänzung zu diesen Vereinen und widmet sich ausschliesslich der Wahrung von „materiellen“ Kulturgüter der Walser an der Bernhardinstrasse durch Sammeln und Sicherung noch vorhandenen Artefakte.